Diese Seite drucken

Wie feuerwehrfreundliche Betriebe ausgezeichnet werden

Artikel bewerten
(1 Stimme)

Für Feuerwehren wird es immer schwerer, Betriebe zu finden, die Wehrleute für den Dienst freistellen. In Weil am Rhein hat man darauf mit verschiedenen Ideen reagiert.

Mehr als 300 Einsätze hat die Abteilung Stadt der Freiwilligen Feuerwehr im vergangenen Jahr bewältigt, annähernd so viele werden es auch dieses Jahr. Das bedeutet für jeden der in zwei Zügen organisierten Feuerwehrleute, dass er jährlich gut 150-mal zum Einsatz gerufen wird.


Und die sind nicht immer nur nachts oder am Feierabend, sondern oft genug während der Arbeitszeit. Da braucht es verständnisvolle Arbeitgeber, wenn es nicht zu Konflikten kommen soll.

Der Leiter der Weiler Feuerwache Frank Sommerhalter weiß davon ein Lied zu singen. Etliche Kameraden erhalten von ihrem Arbeitgeber keine Freigabe. Gerade in kleinen Betrieben mit wenigen Mitarbeitern macht sich das Fehlen eines Einzelnen gleich recht stark bemerkbar. "Da muss man auch Verständnis dafür haben", sagt Sommerhalter, der keine genauen Zahlen nennen kann.
 

Bislang gibt es noch genug Leute


Allerdings: Die Tendenz ist steigend. "Bislang haben wir immer noch genügend Leute für die Einsätze zur Verfügung. Wenn die Entwicklung so weitergeht wie in den letzten Jahren, könnte das in Zukunft aber zu einem Problem werden", räumt er ein.

Die Stadt als Träger der Feuerwehr hat darauf bereits reagiert. Seit dem Bezug der neuen Feuerwache wird bei Neueinstellungen im städtischen Betriebshof darauf geachtet, dass die Neuen auch Feuerwehrleute sind, damit sie im Ernstfall mit ausrücken können. Deshalb beschäftigt inzwischen auch kein Arbeitgeber in Weil am Rhein mehr Feuerwehrleute als die Stadtverwaltung. In ihren Diensten stehen vier festangestellte Feuerwehrleute und zwölf ehrenamtliche.
 

Lobenswerte Bereitschaft


Aber auch viele andere Arbeitgeber sind der Feuerwehr wohlgesonnen. Gerade mittlere und größere Firmen zeigten eine lobenswerte Bereitschaft, ihren Beschäftigten den Dienst an der Allgemeinheit zu ermöglichen, sagt Sommerhalter, und erlaubten regelmäßig die Teilnahme an Einsätzen und Lehrgängen.

Vereinzelt werde für diese Zeiten kein Lohn gezahlt. Die Feuerwehrleute erhalten dann von der Stadt eine Entschädigung von 8 Euro die Stunde und 9 Euro pro Einsatz. Damit sind die tatsächlichen Löhne oder Gehälter der Feuerwehrleute aber nicht angemessen entschädigt. Eine Erhöhung befindet sich aber in Vorbereitung.

 


Ohnehin ist es aber so, dass die meisten Arbeitgeber den Lohn fortzahlen und "fast keiner eine Erstattung verlangt", sagt Sommerhalter. Das heißt: Die Betreffenden fehlen nicht nur am Arbeitsplatz, sondern sie werden auch noch während des Einsatzes vom Arbeitgeber bezahlt. Allerdings gebe es in vielen Betrieben Vereinbarungen, dass die ausgefallene Arbeitsleistung nachgeholt wird. Lohnausgleichszahlungen würden deshalb meist nur bei ganztägigen Lehrgängen oder Einsätzen verlangt.
 

Acito ist besonders engagiert


Einer der großen Arbeitgeber, der mehrere Feuerwehrleute beschäftigt, ist die Firma Raymond. Alleine fünf ihrer Mitarbeiter gehören der Weiler Feuerwehr an, mehr als 15 weitere umliegenden Feuerwehren. Auch Endress+Hauser ist ein wichtiger Partner der Weiler Wehr. Neben einem Weiler Feuerwehrmann arbeiten dort zwei aus Kandern und Bad Säckingen, die während der Arbeitszeit mit den Weiler Kameraden ausrücken.

Besondere Beachtung verdiene auch das Weiler Speditionsunternehmen Acito, sagt Frank Sommerhalter. In dem Betrieb mit 50 Mitarbeitern arbeiten drei Feuerwehrleute, die besonders häufig in Anspruch genommen sind: Stefan Schepperle ist stellvertretender Kommandant der Lörracher Wehr, Markus Utke bekleidet dieselbe Funktion in Weil am Rhein und Martin Zimmermann ist stellvertretender Kommandant der Weiler Abteilung Stadt.
 

Unternehmen profitiert auch von Ersthelfern


Der Deutsche Feuerwehrverband hat diesen Umstand nun zum Anlass genommen, um dem Logistiker Acito das Förderschild "Partner der Feuerwehr" zu überreichen. Pro Jahr wird er im Landkreis Lörrach nur zweimal vergeben, um die Wertigkeit hochzuhalten.

Am Donnerstag konnten sich Dietmar Kutta und Ralf Albrecht, Geschäftsführer von Acito, über die Auszeichnung freuen, die ihnen Günter Lenke, der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes, übergab. Kutta machte dabei deutlich, dass "die spontanen Einsätze unserer Feuerwehrleute für den Betrieb immer wieder eine Herausforderung" seien.

Allerdings profitiere Acito auch von den drei ausgebildeten Ersthelfern, die sich zudem mit Gefahrgütern gut auskennen, was in einer Spedition von großem Nutzen sein kann. Jeder könne in die Situation kommen, auf den Dienst der Feuerwehr angewiesen zu sein. Deshalb sei es für ihn selbstverständlich, seinen Mitarbeitern den Feuerwehrdienst zu erlauben.

Weitere Informationen

  • Quelle: Badische Zeitung
Alexander Ebler

Das Neueste von Alexander Ebler