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Flüchtlinge engagieren sich bei Feuerwehr

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Seit einigen Monaten engagieren sich Dawdad Cessay und Ahmad Alhamdan bei der Freiwilligen Feuerwehr, Abteilung Haltingen. Das ist für alle Seiten eine Bereicherung.

 

WEIL AM RHEIN-HALTINGEN. Seit einigen Monaten engagieren sich Dawdad Cessay und Ahmad Alhamdan bei der Freiwilligen Feuerwehr, Abteilung Haltingen. Für die beiden Männer, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, ist diese Tätigkeit eine willkommene Abwechslung zum Alltag im Heim und eine Chance, sich zu integrieren. Und auch die Feuerwehr profitiert laut dem Haltinger Abteilungskommandanten Jürgen Engler von den zuverlässigen jungen Männern. Auf den ersten Blick könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein: Der 25-jährige Ahmad Alhamdan aus Syrien wirkt müde und blass, im Gespräch ist er zurückhaltend. Der Gambier Dawdad Cessay (32) hingegen ist aufgeweckt und offen, redet und lacht viel. Dennoch haben die zwei Männer auch vieles gemeinsam: Beide sind im Jahr 2015 nach Deutschland gekommen, weil sie, aus unterschiedlichen Gründen, nicht mehr in ihrem Heimatland bleiben konnten oder wollten. Beide kamen irgendwann in der Gemeinschaftsunterkunft in Haltingen unter. Dort haben sie auch die Feuerwehr kennengelernt, als sich die Abteilung Haltingen im Sommer 2016 vorgestellt hat.

Die Präsentation hatte laut Abteilungskommandant Jürgen Engler unter anderem das Ziel, den Bewohnern mögliche Ängste zu nehmen. "Wegen Erfahrungen in ihren Heimatländern verbinden viele Flüchtlinge etwas Negatives mit Uniformen", erläutert er. Mithilfe mehrerer Dolmetscher zeigten seine Männer bei einer Showübung und einer Brandschutzaufklärung, was die Aufgaben der Feuerwehr sind. "Das war eine sehr lebhafte Veranstaltung, die Menschen waren sehr interessiert", erinnert sich Engler. Auch Dawdad Cessay habe gleich mitgemacht.

Schon vor dem Besuch der Feuerwehr habe er seiner Sozialarbeiterin gesagt, dass er gerne etwas tun und im Bereich Sicherheit arbeiten würde, sagt Cessay. Sein Deutsch ist brüchig, aber dennoch gut verständlich. In seiner Heimat Afrika habe er für einen Security-Service gearbeitet. Die Sozialarbeiterin habe ihm von der Feuerwehr erzählt, aber gleich dazu gesagt, dass er dort kein Geld bekomme. Für Cessay war das kein Problem: "Ich will kein Geld, ich will etwas tun", sagt er. Er ging auf die Haltinger Feuerwehrmänner zu und wurde herzlich aufgenommen. Seit Juni nimmt er an allen Übungen und Treffen teil. "Die Leute sind sehr nett und ich sehe Dinge, die ich noch nie gesehen habe", sagt Cessay, der eine deutsche Freundin hat, über sein Ehrenamt.

Ahmad Alhamdan, der kurze Zeit später zur Feuerwehr kam, erzählt in gutem Deutsch: "Ich bin fremd hier und brauche viele Tipps und auch Freunde, die mir sagen, was man macht und was man nicht macht." Bei der Feuerwehr habe er solche Freunde gefunden, wenn er Hilfe brauche, bekomme er sie. Darüber hinaus habe der gelernte Textilmechaniker im Camp nicht gewusst, was er den ganzen Tag lang tun solle. "Nun habe ich eine sinnvolle Beschäftigung." Mittlerweile wohnt Alhamdan in einem Zimmer in Binzen, im Mai beginnt er ein Praktikum bei einem Industrieunternehmen.

Offizielle Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr sind die beiden aber noch nicht. "Es ist ein langer Prozess, bis man in die aktive Mannschaft aufgenommen wird", sagt Abteilungskommandant Engler. Neben einer Grundausbildung, die jeder durchlaufen muss und einer ärztlichen Untersuchung kommen bei Alhamdan und Cessay noch weitere Hürden hinzu. "Der Status der beiden muss zunächst geklärt sein", sagt Engler. Und obwohl die beiden schon relativ gut Deutsch sprechen, gibt es dennoch auch sprachliche Barrieren. So liegt laut Engler der Feuerwehrprüfungsbogen, der am Ende der Grundausbildung steht, ausschließlich in deutscher Sprache vor. "Die rechtlichen Hürden gehen wir gerade an", sagt Jürgen Engler. Bis dahin dürfen Cessay und Alhamdan sich zwar an allen Übungen, aber nicht an Einsätzen beteiligen.
 

Camembert statt Würstchen beim Feuerwehrfest


Die weiteren Voraussetzungen für den Eintritt der beiden in die Freiwillige Feuerwehr lägen aber definitiv vor, so Engler: Vertrauen und Engagement. "Wir waren alle beeindruckt zu sehen, wie schnell die beiden lernen", erinnert er sich an die ersten Übungen mit den Neuen zurück. Sie hätten eine sehr gute Auffassungsgabe, seien immer pünktlich und würden überall mitanpacken. Auch, dass Alhamdan gläubiger Moslem ist, sei kein Problem. Bei Festen bekomme er statt Würstchen eben gebackenen Camembert.

Engler hofft, dass die beiden in seiner Abteilung bleiben können: "Bei uns gibt es keinen Fremdenhass, es ist egal, ob jemand aus Gambia, Syrien oder Hamburg kommt." Auch im Dorf habe er keine negative Stimmen in Bezug auf die Neuen in seiner Abteilung gehört. "Das Dorf verträgt Fremde", ist Engler überzeugt.

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  • Quelle: Badische Zeitung